1.-40. Espresso

März 27, 2011

Zum leichteren Nachlesen die vorhergehenden Kapitel in chronologischer Reihenfolge: 1. – 40. Espresso

37. Espresso

Februar 25, 2011

“Ein Vorwand für was?” hakte Monika nach.

“Ja, nun, also ein Vorwand, sich mit dir zu verabreden.”

“Nun, ja, in neunundneunzig von hundert Fällen hätte ein Mann bei mir mit der Einladung zu einem Fußballspiel auch keine Chance auf eine Verabredung.”

“Stimmt. Die Nummer habe ich auch noch nie probiert. Bin auch immer davon ausgegangen, dass sie keine Erfolgsaussichten hätte. Hab’ ich mich wohl getäuscht.”

“Welche Nummern probierst du sonst immer?”

Georg überlegte. In seiner Selbstdarstellung gegenüber Monika war das ein Scheidepunkt. Entweder würde er den Lockeren mimen, der nichts bei schönen Frauen unversucht lässt und kühl seine Vorgehensweise plant. Oder er würde zu dem stehen, wie er sich selbst sah. Als einen ziemlichen Trottel in seinen spärlichen Versuchen der Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht. Die eine Alternative erschien ihm so unangemessen für seine Person, wie die andere für die Situation, in der er steckte.

Monika ließ nicht locker. “Auf welche anderen einstudierten Nummern und Zaubertricks fallen die Frauen bei dir sonst herein?”

Georgs Verlegenheit wurde größer. Er versuchte es mit Selbstironie. “Besonders groß ist mein Repertoire nicht. Es liegt daran, dass ich es kaum anwenden kann. Mir laufen die Frauen so schon immer nach. Schau, da”, und er blickte zu Monika herüber, “schon wieder eine.”

Monika konnte, obwohl sie ganz leicht errötete, ein Grinsen nicht unterdrücken. “Auf den Mund gefallen bist du ja nicht”, sagte sie anerkennend.

Derart ermuntert versuchte Georg gleich den Ball zurückzuspielen. “Und welche Tricks hast du drauf, wenn du einen Mann auf dich aufmerksam machen willst?”

Monika musste nicht lange nachdenken. “Ich warte an Museumseingängen bis ein hübscher Hintern vorbei kommt, stelle mich dahinter in die Reihe und schenke ihm eine Eintrittskarte”, kam es zurück. “Klappt immer”, fügte sie lapidar nach.

Georgs Gesicht verfärbte sich nun rötlich. Mit derartiger Direktheit hatte er nicht gerechnet. Auf die eindeutige Richtung des Komplimentes hatte er die letzten Tage nur heimlich gehofft. Sprachlosigkeit gewann an Raum in ihm.

“Wenn du dich wieder gefasst hast, kannst du mir ja mal sagen, welches Café du ansteuerst”, sagte Monika mit unschuldigem Gesichtsausdruck.

“Ja, also nur die Bar hier vorne. Nur kurz auf einen Espresso. Es ist nicht mehr soviel Zeit bis zum Anpfiff.”

Zum Nachlesen die ersten fünfundzwanzig espressolangen Kapitel vom Lektor, der am Feierabend vom Verlag nicht nach Hause fuhr:

 1. – 25. Espresso

21. Espresso

August 5, 2010

Der frisch erworbene Koffer lag geöffnet auf dem Hotelbett. T-Shirts und Hemden, Unterhosen und Strümpfe wanderten hinein. Zwei Wochen war Georg nun in Verona. Er hatte nicht viel gesehen von der Stadt. Eigentlich saß er die meiste Zeit in Straßencafés und ließ das Leben an sich vorbeihuschen. Einmal schloss er sich diesem Leben an. Er kaufte ein Ticket für die abendliche Aufführung in der Arena. Die Oper beeindruckte ihn weniger als die erwartungsvollen Gesichter der anderen Zuschauer. Das Erleben von etwas Einmaligem spiegelte sich in ihren Augen. Die milde Abendluft. Der Himmel über ihnen. Das bunte Bühnenbild. Die Stimmen der Sänger. Auch diese Erinnerungen wanderten in seinen Koffer.

Er hatte mehrere Gespräche mit Anna gehabt. Sie bestanden aus ihren Fragen und seinen nicht gegebenen Antworten. Die schweigenden Anteile an diesen Gesprächen wurden immer länger, während die Gespräche immer kürzer wurden. Anna vermied es, Entscheidungen zu fordern. Ihm schien es, als ob Anna insgeheim hoffe, dass sich alles in Luft auflösen würde. So lange müsste sie versuchen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Gleichzeitig nahm er jedoch auch wahr, dass sie ihn vom Mann zum Jungen herabstufte. Ein Junge, der sich mal austoben muss. Sie müsste nur eine Weile die geduldige Mutter spielen, dann würde er wohl, hoffentlich endgültig erwachsen geworden, zurückkommen.

Der Koffer war gepackt. Ein letzter Blick aus dem Fenster. Ein Blick durch das Zimmer. Er würde ein Hotelzimmer verlassen, in dem er keine einzige Seite eines Buches gelesen hatte. Ein Zimmer, in dem er sich die Zeit mit Tagträumen vertrieben hatte. Er bezahlte an der Rezeption. Seinen Schlüssel gab er ab und nahm den Bus zum Bahnhof.

“Das war also Verona, die Stadt von Romeo und Julia,” ging es ihm durch den Kopf. Er ging zum Schalter und besorgte sich ein Ticket. Anschließend ging er in die Bar, die er vor vierzehn Tagen noch gemieden hatte. Ein letzter Espresso, bevor er in den Zug steigen würde. Die Barista, eine blondierte Sophia-Loren-Kopie, die ihn bediente, brachte ihn kurzfristig aus der Bahn. Außer einer vom Espresso verbrannten Unterlippe zog er sich jedoch keine weiteren Schäden zu. Er ging zum Bahnsteig, suchte sich im Zug einen freien Platz und verstaute den Koffer.

Die ganze Strecke bis Mailand schaute er zum Fenster hinaus. Die Po-Ebene rauschte an ihm vorbei. Er genoss es, bei strömendem Regen geschützt im Zug zu sitzen. Es regnete noch immer als er in Mailand ankam. In der Tourist Information ließ er sich telefonisch ein preiswertes Zimmer reservieren. Es lag etwas außerhalb des Zentrums und schien nur beschwerlich mit Bussen erreichbar zu sein. Er nahm ein Taxi. Als er sich gewohnheitsmäßig eine Quittung geben lassen wollte, fiel ihm ein, dass er diese Taxifahrt nicht beruflich unternommen hatte. “Verflixt. Der Verlag. Ich muss dort anrufen. Hatte ja nur wegen zwei Wochen Urlaub angefragt. Wie viele Urlaubstage habe ich noch? Was ist, wenn der Boss sich quer stellt? Mist.”

Zum Nachlesen die ersten zwanzig espressolangen Kapitel vom Lektor, der am Feierabend vom Verlag nicht nach Hause fuhr: 1. – 20. Espresso

19. Espresso

Juli 16, 2010

Er ging durch die Stadt, streunte herum. Die Piazza delle Erbe gefiel ihm am besten, obwohl die Marktstände geschlossen waren. Trotzdem strahlte für ihn der Platz auch unbenutzt Leben aus. Vielleicht lag es daran, dass die Marktverkäufer diesen Platz nur vorübergehend verlassen hatten, alles aber darauf deutete, dass sie auf jeden Fall wiederkommen würden. Georg hatte, geleitet in seinem Streunen von einem Faltblatt der Tourist Information, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gesehen, ohne sie unbedingt bewundert zu haben. Auch vor dem Balkon der Julia hatte er gestanden, ohne dass dies einen besonderen Eindruck auf ihn hinterließ, bevor er wieder die Piazza Bra, den Platz vor der römischen Arena, erreichte.

In erstaunlich kurzer Zeit entleerte sich nun seine Bühne. Die mehr oder wenigen stolzen Besitzer der Opernkarten strömten in das Amphitheater. Georg wurde auf das Stück zurückgeworfen, in dem er selbst, wie es schien, eine Hauptrolle inne hatte. Er ging zu seinem Hotel. Mit einem Buch wollte er sich ablenken.

An der Rezeption, gerade als er nach seinem Schlüssel fragte, fiel ihm ein, dass er keines dabei hatte. Immer hatte er einen kleinen Stapel auf seinen Reisen dabei. Ein Buch, auf das er sich schon seit langem freute. Ein Buch, falls diese Vorfreude bereits nach wenigen Seiten enttäuscht werden würde. Ein weiteres Buch, für den Fall, dass er das zweite an einem Tag verschlingen würde. Und ein viertes, fünftes und sechstes Buch als Versicherungspaket für den Fall, dass er wegen einer Krankheit die Rückreise nicht pünktlich antreten könnte. Nicht ein Buch hatte er nun bei sich. Nicht einmal eins aus der Abteilung Notfallapotheke, falls die Straßenbahn auf dem Weg heim von der Arbeit an einem falsch parkenden Auto scheitern würde.

Er gab den Schlüssel dem verdutzten Hotelangestellten zurück und ging wieder ins Freie. Das Erinnertwerden an die praktischen Seiten einer Reise schien ihn zu erleichtern. Nicht nur an Lektüre mangelte es ihm. Weder eine Zahnbürste noch ein Deo oder gar eine Unterhose zum Wechseln führte er bei sich. Er müßte sich entweder zum Bahnhof aufmachen und den nächsten Zug nach München nehmen oder sich den üblichen Erfordernissen des touristischen Alltags stellen. Gerne hätte er sich auf das Erledigen der Einkäufe gestürzt, doch die Läden, die das führten, was er benötigte, hatten bereits geschlossen.

In einer Bar auf dem Weg zurück ins Hotel bestellte er sich einen Grappa. Jetzt war er wieder auf der eigenen Bühne angelangt, es gab nichts mehr zu tun. An der Rezeption verlangte er mit deutlich wahrnehmbarem alkoholisiertem Atem nach seinem Zimmerschlüssel. Mit überraschtem Blick nahm der Portier zur Kenntnis, dass er ihn nicht sofort zurück bekommen würde, als er Georg die Zimmertür hinter sich schließen hörte.

Auf mehrfachen Wunsch die ersten 15 Kapitel in einem Dokument zum leichteren Nachlesen:  1. – 15. Espresso

17. Espresso

Juni 20, 2010

 

“Du willst mir also erzählen, es gäbe keinen Grund, abends nicht vom Einkauf nach Hause zu kommen, einen Teil des Gemüses für unser Essen nicht mitzubringen, sich die ganze Nacht nicht zu melden und mittags dann aus Verona anzurufen?”

“Ja, es gibt keinen Grund.”

“Hältst du mich für völlig bescheuert?” Anna stand kurz vor einer Explosion und Georg wollte dem gegensteuern. Aber es gab weit und breit nichts zur Vermeidung einer Detonation zu erkennen.

“Nein, ich halte dich nicht für bescheuert und es gibt keinen richtigen Grund dafür, dass ich jetzt in Verona bin.”

“O.k., halten wir mal fest, was du mir erzählst: erstens, du bist in Italien, zweitens, du hast keinen Grund dort zu sein und drittens, ich soll nicht bescheuert sein, wenn ich dir das abkaufe. Oder?”

“Ja, alle drei Punkte richtig. Ich weiß nicht, warum ich hierhin gefahren bin. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt weggefahren bin. Ich weiß nur, dass ich losgefahren bin, dann weitergefahren bin und jetzt hier in einem Hotel in Verona bin.”

“Wieso ‘weitergefahren bin’?” Anna war zunehmend irritiert.

“Zuerst war ich in Trento.”

“Was, bitte schön, hast du in Trento gemacht?”

“Nichts eigentlich.”

“Wie bitte? ‘Nichts’?”

“Doch, Espresso habe ich getrunken. Sogar zweimal.” Georg gingen die Blicke der Frau in der Bar durch den Sinn, konnte sich aber gerade noch soweit konzentrieren, dass er nur die koffeinhaltigen Erlebnisse über das Handy weitergab.

“Espressi hast du getrunken?”

“Ja.”

“Und, wo wir gerade so auskunftsfreudig sind, wie hat er geschmeckt? Welche Marke? Wieviel Löffel Zucker? Ist die Crema nicht beim Einrühren in sich zusammengefallen wie in Deutschland? Ist es die Crema, die dich nach Italien getrieben hat. Ist es die Crema, die Deutschland, die ich dir nicht bieten kann?”

Georg hütete sich, darauf direkt zu antworten. “Eigentlich eine gute Erklärung. Ist ausbaufähig. Auch für die Geschichte, die ich dem Verlag erzählen muss. Peter würde sie mir sofort abkaufen und mich für meine Geradlinigkeit in Details der Lebensführung bewundern”, dachte er sich.

“Krieg’ ich da jetzt noch mal eine Antwort?”

“Ja, sicher. Hmm, das heißt, es gibt eigentlich keine Antwort. Es gibt keinen Grund. Ich weiß es einfach nicht und es wäre Unfug, dir jetzt irgendeine überzeugende Geschichte vor die Füße zu legen, nur damit du aufhörst Fragen zu stellen, auf die ich keine Antwort habe. Die Crema jedenfalls ist in Italien auch nicht besser oder schlechter.”

“Wir reden von Kaffee oder von Frauen?” Anna schien in Form zu kommen, sauer und ironisch in perfekter Mischung.

“Von kleinen Tassen Kaffee”, sagte Georg obwohl er sich in Gedanken ausmalte, was passiert wäre, wenn er in Trento nicht nur Blicke erwidert hätte.

“Also, das ist mir jetzt zu blöd. Außerdem habe ich einen Termin. Und Leute, die nicht Georg heißen, halten wahrscheinlich sogar Verabredungen ein und erwarten ebenso, dass auch ich komme. So etwas scheint dir zwar seit gestern befremdlich vorzukommen, aber solche Menschen soll es geben.”

Auf dem Display erschien die Dauer des Gespräches.

15. Espresso

Mai 31, 2010

 

Noch zwei Minuten bis der Zug in Verona ausrollen würde. Die Frau war in Trento nicht mehr auf dem Bahnsteig erschienen. Für den Lektor in Georg gab es also aus den bisherigen Reiseerlebnissen nichts zu streichen.

“Wo hätte ich überhaupt streichen sollen? Wenn es tatsächlich zu dieser Szene vor dem Zug gekommen wäre. In meinen Reiseerlebnissen? In meinen Urlaubsgeschichten? Oder”, und ihm fiel tatsächlich wieder eine andere eindeutig streichenswerte Zeile ein, “in meinen Gefühlswallungen während meines Neuanfangs? Schon alleine dieses Wort. Neuanfang? Kann man neu anfangen? Macht man nicht einfach weiter, während man sich selbst vormacht, einen neuen Anfang zu starten? Will ich überhaupt einen neuen Start? Eigentlich mache ich bloß einen Ausflug. Mehr nicht.”

Georg widerstand der Versuchung im Bahnhof die Bar aufzusuchen. Ein Espresso. Ein langer Blick. Ein anderes Ende der Szene. Der Lektor strich diese Szene bereits, bevor sie Gestalt annehmen konnte. Bevor zu dem Blick zwei Pupillen gehören würden. Bevor sich vielleicht diesmal zu diesem Blick ein Lächeln gesellen konnte.

Zielstrebig schritt Georg an der Bar, am Espresso und weiteren Verheißungen vorbei. An der Tourist Information ließ er sich drei Hotels im Zentrum empfehlen. Im ersten Hotel nahm er das erste Zimmer. Eine weitere Nacht würde er nicht in München sein. Danach sah es jetzt aus. Als ihm dies klar wurde, griff er nach seinem Handy und schaute es lange an.

“Sie haben eine neue Nachricht. Hallo Georg. Was ist? Der Boss war sauer. Anna ruft ständig hier an. Die ist sowieso sauer. Kommst du heute noch in den Verlag oder nicht? Wie gesagt, überleg’ dir schon mal gute Ausreden. Ciao. Zum Wiederholen der Nachricht drücken Sie …”

Georg sah weiter auf sein Handy. “Es gehört sich einfach, dass ich Anna anrufe, damit sie sich keine Sorgen um Leib und Leben machen muss. Wahrscheinlich ruft sie ohnehin bald die Polizei und die Krankenhäuser in der Stadt an. Würde ich ja auch so machen.”

Das Geräusch zweier unter dem Hotelfenster vorbei rasender Vespas riss ihn aus dem Gedanken. Georg sah zum Fenster hin. “Was wäre, wenn ich einfach vom Erdboden verschwinde. Mich nirgendwo mehr melde. Auf den Schreibtisch könnte ich nun wirklich verzichten. Auch wenn ich jahrelang auf diesen Schreibtisch hinstudiert habe. Andere beneiden mich um diesen Job. Genauso wie sie mich um Anna beneiden. Aber die gleichen Leute würden mich auch darum beneiden, wenn ich einfach hier in Italien verschwinde und schaue, wie viele Tassen Espresso meine Kreditkarte hergibt. Also gut, ich rufe Anna an.”

12. Espresso

Mai 1, 2010

Draußen vor der Bar startete wieder sein normaler Frageapparat. “Was wäre gewesen, wenn ich sie angesprochen hätte? Hätten wir uns zum Abendessen verabredet? In welcher Sprache überhaupt? Hätte sie bei ihrer Arbeitsstelle angerufen, sich krank gemeldet und mich sofort mitgenommen? Ohne Worte vielleicht sogar? Hätten wir uns ein Zimmer in einem Hotel genommen? Vergiß es. So wirst du wahrscheinlich nie sein.”

Georg sah sich um. “Was mache  ich eigentlich hier?”

Er schaltete sein Handy an. “Sie haben drei neue Nachrichten.” Zweimal erschien im Display die Nummer von Anna, einmal die von Peter. Georg versuchte seine Gedanken zu ordnen. Das Bild der unbekannten Frau kreuzte dazwischen. Die gewohnten Tastenkombinationen zum Abhören der Nachrichten liefen nicht flüssig aus den Fingerspitzen in die Tastatur. Dazwischen tauchten immer wieder diese Augen auf.

“Erste Nachricht. Georg, was ist los? Wo steckst du? Warum gehst du nicht ans Handy? Warum hast du es jetzt ausgeschaltet? Wieso rufst du nicht an? Was verdammt nochmal ist los? Kannst du mir mal erklären, was das soll? Nachricht zu Ende. Zum Wiederholen drücken Sie die …..”

Statt die Ziffer zum Löschen drückte Georg aus Versehen die zum Speichern. “Mist! Wie krieg’ ich die Nachricht wieder aus dem Speicher? Prima, diese Fragen bleiben jetzt da drin. Ohne Handbuch wahrscheinlich keine Chance sie zu löschen. Toll. Trag’ jetzt Annas entsetzte Fragen mit mir ‘rum.”

“Zweite Nachricht. Hallo Georg, hier ist Peter. Was ist los? Wir haben gleich Besprechung. Anna hat eben angerufen. Ob du hier wärst. Du wärst nicht zu Hause gewesen, diese Nacht. Was machst du denn für Geschichten? Eine aus dem Verlag? Also Fragen über Fragen. Ruf zurück. Und komm gleich in den Besprechungsraum. Dein Bereich ist der zweite Tagesordnungspunkt. Lass dir schon mal eine gute Ausrede einfallen. Irgendwas mit vom Turm der aufgelaufenen Manuskripte erschlagen, beim Röntgen im Krankenhaus nicht gleich drangekommen, von der Betäubungsspritze benebelt in die falsche Trambahn gestiegen und so weiter. Also bis gleich. Und als nächstes mußt du dir dann noch eine Geschichte für Anna ausdenken. Schätze ich zumindest. So, wie sie geklungen hat, muß es schon was sehr Überzeugendes werden. O.k., beeil’ dich. Ciao. Nachricht zu Ende. Zum Wiederholen drücken Sie …”

“Gut, das Löschen hat jetzt wenigstens geklappt. Besprechung?” Georg kam kurz zur Besinnung. Mit all seinen beruflichen Pflichtgefühlen. Doch sogleich tauchte wieder dieser lange Blick in der Bar auf. Die noch vorhandene Wirkung des Espressos gab ihm zusätzlich Kraft über diese Pflichten hinweg zu träumen. “Besprechung? Hmmmm.”

“Dritte Nachricht. Verdammt nochmal Georg! Jetzt ruf wenigstens mal zurück! Du tickst wohl nicht sauber. Ich mach’ hier Essen, steh’ wie blöd den Abend am Herd und du rufst nicht einmal an. Und im Verlag bist auch nicht. Bitte, ruf endlich an. Nachricht zu Ende. Zum Wiederholen drücken Sie die …..”

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