16. Espresso

Juni 14, 2010

„Was soll ich ihr sagen?“ Diese Frage blieb im Raum, trotz seines plötzlichen Dranges, Anna zu beruhigen. Knatternde Vespas unterbrachen seine Unsicherheit. Er sah sich im Zimmer um. Ein gerahmtes Photo der Arena. In der Nacht beleuchtet. Menschen, die in eine der Opern strömen.

Nur wenige gewohnte Tastenkombinationen und das Handy wählte Annas eingespeicherte Nummer. Seine Hoffnung, es würde sich nur die Mailbox melden, erfüllte sich nicht. Zum Auflegen war es zu spät. Seine Nummer musste schon auf ihrem Display erschienen sein.

„Ja, verdammt. Wo steckst du? Ist was passiert? Oder tickst du nicht mehr richtig?“

„Ich bin in Verona.“

„Und warum wissen die im Verlag nichts davon, wenn du so plötzlich dahin musst? Und überhaupt: warum kannst du mir nicht wenigstens kurz Bescheid sagen?“

„Ich bin nicht wegen dem Verlag hier.“

„Wie, ähm, du, du bist nicht, ähm“, Anna versuchte ihre Gedanken zu ordnen, „also du bist nicht vom Verlag geschickt worden?“

„Nein, ich bin nicht von Wörgl geschickt worden?“

„Ja, das verstehe ich jetzt nicht. Außer Wörgl gibt es doch sonst niemanden, bei dem immer alles ganz plötzlich sein muss und sofort erledigt werden soll.“

„Es muss auch nichts sofort erledigt werden.“

„Ich verstehe dich jetzt richtig? Es gibt nichts Dringendes?“

„Nein es gibt schon dringende Sachen zu erledigen. Aber nicht in Verona.“

„Ähm, was machst du dann in Verona?“

„Das weiß ich auch nicht. Das heißt, ich weiß schon, was ich mache. Ich liege auf einem Hotelbett und telefoniere mit dir …“

„Zu zweit?“

„Natürlich telefonieren wir zu zweit. Alleine telefonieren geht ja …“

„Ich meine das Bett, nicht das Telefonieren!“

„Ach so. Ich bin alleine auf dem Bett. Und auch im Zimmer und überhaupt alleine hier in Italien.“

„Ja?“

„Was ‚ja‘?“

„Ja, vielleicht erzählst du mir endlich mal, was du alleine, also wenn das stimmt, was du in Verona machst, wenn es stimmt, dass du von dort anrufst, was dich dazu bringt, ein Hotelzimmer in Verona zu nehmen? Reden wir eigentlich von der Stadt oder ist das eine Sie?“

„Ja ich bin in Verona. Also der Stadt in Italien. Romeo und Julia und so weiter.“

„Bist du also doch wegen der Literatur dort“, klang es erleichtert und feststellend.

„Nein, es hat nichts mit Büchern und Schriftstellern zu tun.“

„Ja verflucht! Mit was hat es denn zu tun?“

„Mit nichts.“

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