31. Espresso

Januar 4, 2011

 

„Ja?“

„Hallo. Hier ist Georg Haag, der Kunstexperte aus Mailand.“

„Ach, hallo. Schön. Warte einen kleinen Moment.“ Georg hörte ein paar Schritte. Eine Tür wurde geschlossen. „Schön, dass du dich meldest. Kunstexperte ist gut. War der Fußballfachmann denn erfolgreicher?“

„Ja, ich habe die Karten. Sonntag am Nachmittag. Kommst du?“

„Ja sicher. Ich freue mich schon darauf. Bin froh, hier mal wieder raus zu kommen.“

„Hast du Probleme in Lugano?“

„Ja, ich habe immer Probleme, ob in Lugano oder in Köln. Mein Job ist es“, ihre Stimme verfärbte sich ironisch „Probleme zu lösen, die andere nicht erledigen können. Oder Probleme zu erkennen, bevor sie zu richtig großen Schwierigkeiten werden. Oder“, nun eher nachdenklich klingend, „neue Probleme zu schaffen, damit niemand auf die Idee kommt, ich wäre hier überflüssig.“

„Und das macht dir Spaß?“

„Grundsätzlich ja“, Georg konnte selbst am Telefon ihr Grinsen sehen, „ich lebe mit dem sicheren Gefühl, dass ohne meine genialen Ideen hier keine einzige Tonne Schokolade verkauft werden würde. Nur, am Freitagnachmittag ist nicht nur die Woche am Ende. Da will ich dann auch raus hier. Am besten irgendwohin, wo ich auf keinen Fall Probleme bearbeiten muss.“

„O.k., ich werde mein Bestes versuchen. Wie darf ich das Problem lösen, dass wir uns in Mailand nicht verfehlen? Kommst du mit dem Zug?“

„Ja, das ist wohl das Einfachste.“

„Also, ich hole dich dann am Blumenstand auf dem Bahnhof ab. So gegen 13 Uhr? Weißt du, wann ein Zug kommt?“

„Nein.“

„Gut, dann werde ich ab 12 auf dich warten. Es wird schon einer eintreffen.“

„Genau so problemlos hätte ich es gerne nach einer solchen Arbeitswoche. Also, ich seh‘ dich übermorgen. Ich muss jetzt weiter machen.“

„Ja, ich auch“, sagte Georg unwillkürlich.

„Was hast du denn heute noch Schwieriges zu tun, mal abgesehen vom Belauschen von kunsthistorischen Gesprächen an benachbarten Cafétischen?“

„Ja, stimmt. Du hast recht. So richtig anstrengend ist das nicht“, räumte Georg ein, froh darüber noch einmal das Thema ‚Anna‘ vermieden zu haben, „war nur so gewohnheitsmäßig daher gesagt.“

„Also dann. Ciao.“

„Ja, ciao.“

Georg war froh darüber, dass Monika ihm nichts angemerkt hatte. Und er freute sich darüber, dass er, durch die Verabredung mit einer anziehenden Frau gestärkt, Anna anrufen konnte. Zumindest beinhaltete diese Verabredung die Möglichkeit, es Anna heimzuzahlen. Die Eifersucht begann sich mit Rachegelüsten zu paaren. Untermischt waren diese Gefühle jedoch auch mit etwas schlechtem Gewissen. Schließlich war er es gewesen, der einfach so eines Abends nicht nach Hause gekommen war. Dieses ‚einfach-so‘ allerdings machte es ihm jedoch auch schwer, sich schuldig zu fühlen. Es passierte einfach so. Vielleicht ist Anna das mit Peter auch einfach so passiert. Gut, aber was haben wir dann zu besprechen? Georgs Lust auf dieses Telefonat schwand zunehmend.

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