37. Espresso

Februar 25, 2011

„Ein Vorwand für was?“ hakte Monika nach.

„Ja, nun, also ein Vorwand, sich mit dir zu verabreden.“

„Nun, ja, in neunundneunzig von hundert Fällen hätte ein Mann bei mir mit der Einladung zu einem Fußballspiel auch keine Chance auf eine Verabredung.“

„Stimmt. Die Nummer habe ich auch noch nie probiert. Bin auch immer davon ausgegangen, dass sie keine Erfolgsaussichten hätte. Hab‘ ich mich wohl getäuscht.“

„Welche Nummern probierst du sonst immer?“

Georg überlegte. In seiner Selbstdarstellung gegenüber Monika war das ein Scheidepunkt. Entweder würde er den Lockeren mimen, der nichts bei schönen Frauen unversucht lässt und kühl seine Vorgehensweise plant. Oder er würde zu dem stehen, wie er sich selbst sah. Als einen ziemlichen Trottel in seinen spärlichen Versuchen der Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht. Die eine Alternative erschien ihm so unangemessen für seine Person, wie die andere für die Situation, in der er steckte.

Monika ließ nicht locker. „Auf welche anderen einstudierten Nummern und Zaubertricks fallen die Frauen bei dir sonst herein?“

Georgs Verlegenheit wurde größer. Er versuchte es mit Selbstironie. „Besonders groß ist mein Repertoire nicht. Es liegt daran, dass ich es kaum anwenden kann. Mir laufen die Frauen so schon immer nach. Schau, da“, und er blickte zu Monika herüber, „schon wieder eine.“

Monika konnte, obwohl sie ganz leicht errötete, ein Grinsen nicht unterdrücken. „Auf den Mund gefallen bist du ja nicht“, sagte sie anerkennend.

Derart ermuntert versuchte Georg gleich den Ball zurückzuspielen. „Und welche Tricks hast du drauf, wenn du einen Mann auf dich aufmerksam machen willst?“

Monika musste nicht lange nachdenken. „Ich warte an Museumseingängen bis ein hübscher Hintern vorbei kommt, stelle mich dahinter in die Reihe und schenke ihm eine Eintrittskarte“, kam es zurück. „Klappt immer“, fügte sie lapidar nach.

Georgs Gesicht verfärbte sich nun rötlich. Mit derartiger Direktheit hatte er nicht gerechnet. Auf die eindeutige Richtung des Komplimentes hatte er die letzten Tage nur heimlich gehofft. Sprachlosigkeit gewann an Raum in ihm.

„Wenn du dich wieder gefasst hast, kannst du mir ja mal sagen, welches Café du ansteuerst“, sagte Monika mit unschuldigem Gesichtsausdruck.

„Ja, also nur die Bar hier vorne. Nur kurz auf einen Espresso. Es ist nicht mehr soviel Zeit bis zum Anpfiff.“

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