41. Espresso

März 21, 2011

„Bist du eigentlich mit jemanden zusammen?“ fragte sie mit nur schwach verhülltem Ernst.

Georg schossen unzählige Gedanken in den Kopf. Annas Gesicht tauchte vor ihm auf. Er wurde unsicher, ob das eben nicht aufzuhaltende Leidenschaft war oder ob bei der Gier auf Monikas Körper auch Rache an Anna dabei war.

„Gibt es jemanden, mit dem du gewöhnlich nach neunzig Minuten das Stadion verläßt?“ Monikas Stimme wurde unsicherer.

Georg runzelte die Stirn: „Wie soll ich das beschreiben? Das ist so ähnlich wie mit dem Job in München.“

„Du hast also bei jemand noch Resturlaub, den du gerade abfeierst?“

„Wenn es so etwas klar Geregeltes gäbe“, seufzte Georg. „Um es kurz zu machen: ich bin im Prinzip mit einer Frau in München zusammen, aber es ist sehr unklar, ob ich das noch bin. Jedenfalls bin ich einfach ohne Bescheid zu geben nach Italien gereist. Seitdem führen wir per Handy das, was man wohl Krisengespräche nennt.“

Beide sagten erst einmal nichts. Georg sah Monikas leicht enttäuschtes Gesicht und fügte noch an: „Keine Ahnung, ob es nach dem Resturlaub auch hier zur Kündigung kommt. Jedenfalls wärst du und das, was gerade passiert ist, ein guter Kündigungsgrund.“

„Für dich oder die Frau in München?“

„Erst mal für mich. Aber wahrscheinlich auch für die Frau in München. Und wie sieht es bei dir aus? Gibt es einen Mann in Köln? Oder beschäftigst du dich ausschließlich mit Schokoladenwerbung?“

„Nein, es gibt keinen Mann im Moment. Auch nicht außerhalb von Köln. Es gab mal einen. Aber wir sind inzwischen geschieden.“

„Seitdem bist du solo?“

„So ungefähr. Seit eineinhalb Jahren habe ich nur Affären. Das heißt, am Anfang sehen sie nicht so aus. Aber letztendlich sind sie es dann nur gewesen.“

„Wie das?“

Monika holte kurz Luft. Dachte nach. „So in etwa wie sich das jetzt hier mit dir auch anhört. Ich war ein paar Male der mögliche Kündigungsgrund. Aber am Ende hat dann doch nie einer das Schreiben abgeschickt.“

„Deshalb hast du auch eben wenig begeistert geschaut.“

„Deshalb habe ich eben wenig begeistert geschaut. Ich dachte ‚halt immer dasselbe‘ und ‚das wird ohnehin so wie die anderen Geschichten laufen‘.“

Stille breitete sich wieder aus. Georg stand zwischen der Versuchung überschwenglich seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und der Warnung aus Kindertagen, nichts zu versprechen, was man nicht sicher halten könne.

„Ich weiß nicht wirklich was passieren wird. Aber ich würde dich gerne wiedersehen. Ich fände es schön, wenn du es probierst, oder riskierst, wieder in die nächste Enttäuschung reinzulaufen.“ Er bemerkte selbst das abgehobene Pathos in seinen Worten und versuchte noch im gleichen Atemzug wieder auf dem Boden zu landen: „Hast du nächste Woche Zeit für mich am Feierabend?“

„Würdest du mich in Lugano besuchen kommen?“

„Ja, am liebsten morgen“, sprudelte es aus ihm heraus.

Monika dachte nach. Zu seiner Erleichterung begann sie wieder zu lächeln. „Sagen wir am Dienstag im Hotel. Dann habe ich noch eine Nacht für mich um zu überlegen, ob ich es riskieren will.“

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