22. Espresso

August 11, 2010

In seinem Zimmer legte er sich auf das Bett. Er rief die eingespeicherten Nummern des Verlages auf und entschied sich für Peter.

„Ranzmoser.“

„Hallo Peter, hier ist Georg.“

„Na, wieder im Lande. Auf Goethes Spuren zu Ende gewandert?“

„Ich bin nicht in München. Bin in Mailand. Goethe war nie in Mailand.“

„War auch nur so daher gesagt. Übrigens morgen steht dein Projekt wieder auf der Tagesordnung. Dem Boss brennt es offensichtlich unter den Nägeln. Ich hoffe du bist gut vorbereitet. Wann geht dein Flieger in Mailand?“

„Ich nehme keinen Flieger in Mailand. Ich bin gerade erst angekommen. Erst seit fünf Minuten auf dem Zimmer. Und, ähm, und ich werde morgen nicht da sein. Egal, was der Alte meint.“

„Wie? Willst du noch weiter Urlaub machen?“

„Ja. Wahrscheinlich.“

„Hast du denn noch Urlaub?“

„Ja, ich glaube schon. So drei oder vier Tage.“

„Soll ich dem Alten sagen, dass er sich auf nächste Woche verlassen kann.“

„Ja“, und mit wenig Sicherheit in der Stimme, „ja, wahrscheinlich bin ich da.“

„Wie? ‚Wahrscheinlich bin ich da‘?“

„Ach, ich weiß nicht.“

„Kommt jetzt etwas Grundsätzliches?“

„Nein, ja, nein, erst mal nicht. Sag einfach Bescheid, ich würde meine restlichen Urlaubstage auch noch nehmen.“

„Ah, ja.“

„Also sag in der Personalabteilung und im Vorzimmer vom Boss Bescheid. Du wüsstest auch nicht mehr. Das Gespräch wäre dann einfach unterbrochen worden. Genaueres wüsstest du auch nicht. Schlechte Verbindung in Italien. Und so weiter. Könntest du das für mich tun?“

„Soll ich, wo ich schon dabei bin, gleich auch Anna Bescheid geben?“

„Nein, nicht nötig. Habe ich schon gemacht. Beziehungsweise habe ich nicht gemacht. Ähm, also wir haben nicht über ein bevorstehendes Ende meines, ähm, meiner Reise gesprochen.“

„Ah, ja.“

„Ja.“

„Und du meinst, das wird jetzt hier nichts Grundsätzliches, oder?“

„Was weiß ich. Jedenfalls bin ich jetzt in Mailand. Keine Ahnung, was in drei Tagen ist.“

„Ah, ja.“

„O.k., du hast recht. Ich sollte mir darüber wohl Gedanken machen.“

„So ähnlich würde ich es ausdrücken. Wenn du mich gefragt hättest.“

„Ich hab dich zwar nicht gefragt, aber du hast trotzdem Recht.“

„Also dann. Ich beneide dich nicht um die nächsten Tage.“

„Gut, bis dann.“

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