14. Espresso

Mai 14, 2010

 

In der Wartehalle des Bahnhofs studierte er die Alternativen. Roma, Milano, Venezia, Brennero, Verona.

„Verona klingt immer noch gut.“ Er fühlte sich überraschend behaglich.

„Un per Verona. Prego.“

„Andata o ritorno?“

„Ähmmm.“

„Allora. Hinoderruckfaart?“

„Hin nur, ähm solo. Prego.“

„Cinqueotto.“

„Ähmmm.“

„Funfeurounachzig“

„Ah, si, si.“

Plötzlich fiel ihm ein, dass er für Verona ja noch das Ticket von der Nacht hatte.

„Entschuldigung. Scusi. Ich habe schon ein Ticket. Grazie.“

Missmutig schüttelte der Beamte den Kopf. „Buon giorno.“

„Si. Buon giorno. Scusi.“

Schnell schlich er vom Schalter weg. „Schön“, dachte sich Georg, „also Verona. Muss schön da sein. Eine Stadt, die so heißt.“ Dort kann es einfach nicht so aussehen, wie seine Vorstellung von Städten, die Leverkusen oder Bottrop heißen. „Außerdem alleine schon wegen Romeo und Julia.“ Seine Stimmung hellte sich deutlich auf. Kein Gedanke an Fragen im Handyspeicher. Noch zehn Minuten bis zur Abfahrt.

Auf dem Bahnsteig drehte er sich noch einmal um. Bevor er in den Zug eintrat ein Blick nach rechts und nach links. „Jetzt müsste diese Frau auftauchen. Als Lektor würde ich das als das Letzte ansehen und durchstreichen.“ Als Georg hätte er es jedoch akzeptiert.